15 Flaschen Wahrheit: Jeder Wein, jedes Pairing & die Köpfe dahinter
Okay, Freunde des gepflegten Trinkgenusses. Im letzten Post gab es den Überblick, heute gehen wir ans Eingemachte.
Wir haben 15 Winzer-Champagner verkostet. Keine Massenware, sondern Charakter-Stoff. Viele haben mich gefragt: „Wie schmeckt der Giraud genau?“ oder „Was esse ich zum Jahrgangs-Meunier?“.
Deshalb gibt es hier die kompletten Tasting Notes zu jeder einzelnen Flasche und mein persönliches Perfect Match für den Teller. Und weil Wein immer von Menschen gemacht wird, stelle ich euch am Ende die Verrückten (im positiven Sinne) vor, die das Zeug in die Flasche bringen.
Schnappt euch ein Glas, es wird ausführlich.
FLIGHT 1: CUVÉE (Der Einstieg)
1. Nicolas Maillart – Platine Premier Cru
Im Glas: Gelbe Früchte, geröstete Haselnüsse und Toast. Durch die hohen Reserveweine (40%) wirkt er satt und cremig, bleibt hintenraus aber schön salzig.
Food Match: Gougères (Käsewindbeutel) mit altem Comté. Der nussige Käse greift die Toast-Noten des Weins perfekt auf.
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2. Roger Coulon – Heri Hodie
Im Glas: 90% Pinot Meunier, 10% Pinot Noir. Das riecht nach Birne, weichem Apfel und Bienenwachs. Am Gaumen extrem charmant, fast keine Ecken, dafür eine cremige Textur (dank Solera-Ausbau).
Food Match: Lachs-Tartar mit etwas Crème Fraiche. Der Schmelz des Weins braucht ein cremiges, fettes Gericht, keine zu harte Säure.
3. Henri Giraud – Esprit Nature
Im Glas: Der „Nackte“. Pfirsichhaut, Bittermandel, nasse Kreide. Er hat Zug, wirkt fast karg, aber mit einer genialen mineralischen Salzigkeit.
Food Match: Ceviche von der Dorade. Die Limette und das rohe Fischfleisch passen zur messerscharfen Präzision dieses Weins.
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FLIGHT 2: BLANC DE BLANCS (100% Chardonnay)
4. Legras & Haas – Extra Brut
Im Glas: Kristallklar. Grüner Apfel, Zitruszeste und im Abgang eine feine Ingwer-Schärfe. Ein Wein wie ein Gebirgsbach – sauber und erfrischend.
Food Match: Ziegenkäse (Chèvre chaud) auf Salat. Die Säure des Weins schneidet durch das Fett des Käses.
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5. Petit & Bajan – Nuit Blanche Grand Cru
Im Glas: Hier wird es blumiger. Weiße Blüten (Akazie), etwas Brioche, aber mit ordentlich Druck am Gaumen. Avize trifft Verzenay – Eleganz trifft Kraft.
Food Match: Seezunge Müllerin Art. Die Butter und die Röststoffe des Fisches brauchen einen Chardonnay mit Körper.
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6. Stéphane Regnault – Chromatique
Im Glas: Der Freak. Vibrierend, elektrisch, salzig. Noten von Limette, Kreide und etwas wilden Kräutern (Spontanvergärung). Er „bitzelt“ fast auf der Zunge vor Energie.
Food Match: Tempura-Garnelen. Das Fett der Panade wird von der Säure und Salzigkeit komplett neutralisiert.
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FLIGHT 3: ROSÉ (Struktur statt Kitsch)
7. Famille Dumont – Rosé Mondeville
Im Glas: Erdig, würzig, „dreckig“ (auf die gute Art). Wilde Waldbeeren, Kräuter, Waldboden. Wenig Kitsch-Frucht, viel Terroir aus der Aube.
Food Match: Rote Bete Carpaccio mit Walnüssen. Die erdigen Noten der Bete sind der Wahnsinn zu diesem Wein.
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8. Nicolas Maillart – Rosé Grand Cru
Im Glas: Himbeere satt, dazu Kirsche und Sahne. Der Rotweinanteil lag im Holzfass, das gibt ihm diesen weichen, „teuren“ Schmelz. Ein Crowd-Pleaser.
Food Match: Rosa gebratene Entenbrust. Die Frucht des Weins fungiert quasi als „Preiselbeersauce“ zum Fleisch.
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9. Henri Giraud – Dame-Jane Rosé
Im Glas: Kupferfarben. Riecht nach Blutorange, Hagebutte und Tonkabohne. Am Gaumen spürt man echtes Tannin und eine leichte Oxidation (Amphore!).
Food Match: Lammkoteletts mit Kräuterkruste. Dieser Rosé hat genug Muckis, um es mit rotem Fleisch aufzunehmen.
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FLIGHT 4: BLANC DE NOIRS (100% Pinot Noir)
10. Nicolas Maillart – Montchenot Premier Cru
Im Glas: Pinot auf Sandboden. Erstaunlich filigran. Rote Johannisbeere, Minze, weißer Pfeffer. Sehr präzise und lang, nicht fett.
Food Match: Kalbsbries oder Wiener Schnitzel. Das feine Kalbfleisch wird nicht erschlagen, die Panade liebt die Perlage.
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11. Petit & Bajan – Obsidienne Grand Cru
Im Glas: Dunkel und mystisch. Brombeere, Graphit, schwarzer Pfeffer. Ein Wein mit Dichte und Konzentration. „Obsidienne“ (Vulkanglas) ist der perfekte Name.
Food Match: Wildgulasch oder Pilzrisotto. Hier braucht es Umami und dunkle Saucen.
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12. Henri Giraud – Hommage
Im Glas: Wuchtbrumme. Vanille, Rauch, Toast, reife Pflaume. 100% Eichenfass-Ausbau. Das ist fast ein Rotwein mit Bläschen.
Food Match: Knuspriger Schweinebauch. Fett braucht Holz und Säure als Gegenspieler. Ein Traum!
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FLIGHT 5: ICONS (Die Legenden)
13. Nicolas Maillart – Mont Martin 2018
Im Glas: Ein Jahrgangs-Meunier von 1973er Reben. Exotik pur: Mango, Maracuja, dazu Salzkaramell. Enorme Spannung und Länge.
Food Match: Alter Parmesan (36 Monate). Die Salzkristalle im Käse lassen den Wein explodieren.
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14. Roger Coulon – Millésime 2013
Im Glas: Reife in Perfektion. Getrocknete Aprikosen, Honig, Nüsse, aber gestützt von der frischen Säure des kühlen 2013er Jahrgangs.
Food Match: Tarte Tatin (Apfelkuchen). Nicht zu süß, aber die Karamellnoten passen perfekt zur Reife des Weins.
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15. Henri Giraud – MV 18 Fût de Chêne
Im Glas: Der Endgegner. Menthol, Eukalyptus, Rauch, Speck, reifer Pfirsich. Er verändert sich minütlich im Glas. Opulent und unendlich lang.
Food Match: Nichts. Oder wenn es sein muss: Ein Stück Pata Negra Schinken. Dieser Wein ist ein Solist.
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DIE MACHER: Wer steckt dahinter?
Damit ihr wisst, wessen Handwerk ihr da trinkt – hier die Kurz-Portraits der Winzer:
Nicolas Maillart (Montagne de Reims)
Der „Präzisions-Ingenieur“. Nicolas ist Techniker durch und durch. Er nutzt viel Holz, aber so gekonnt, dass es nie den Wein überdeckt. Seine Weine sind kraftvoll, aber immer geschliffen. Ein Meister der „Selection Massale“ (alte Klone).
Die Familie Maillart baut seit 1753 Wein an, doch Nicolas brachte den modernen Schwung. Er ist ein Meister der „Massalen Selektion“: Statt Klone zu kaufen, vermehrt er nur seine besten, ältesten Rebstöcke weiter.
- Stil: Kraftvoll und strukturiert.
- Besonderheit: Fast alle Weine werden im Holzfass ausgebaut, aber nicht für den Geschmack, sondern damit der Wein „atmen“ kann (Mikrooxidation).
Henri Giraud (Aÿ)
Der „König der Eiche“. Claude Giraud ist eine Legende (und manchmal kontrovers). Er glaubt an das Terroir des Argonner Waldes genauso sehr wie an das von Aÿ. Seine Weine (außer Esprit) sehen immer neues Holz. Sie sind laut, opulent und einzigartig.
Claude Giraud und sein Schwiegersohn führen das Haus mit einer klaren Obsession: Holz. Aber nicht irgendeines. Sie nutzen Eichenfässer aus dem nahen Argonner Wald. Sie sind überzeugt: „Es gibt keinen großen Wein ohne großes Holz.“
- Stil: Opulent, rauchig, vinos (weinartig). Champagner für Rotwein-Trinker.
- Besonderheit: Jedes Fass ist rückverfolgbar bis zum einzelnen Baum. Zudem Experimente mit Terrakotta-Amphoren.
Roger Coulon (Vrigny)
Die „Agroforst-Pioniere“. Eric und Isabelle lassen Bäume in den Weinbergen stehen, um Schatten und Diversität zu schaffen. Ihre Weine sind wie sie selbst: Ruhig, naturnah, tiefgründig und extrem elegant. Champions des Pinot Meunier.
Eric und Isabelle Coulon betreiben Agroforstwirtschaft. Das heißt: In ihren Weinbergen wachsen Bäume und Hecken zwischen den Reben, um ein natürliches Ökosystem zu schaffen.
- Stil: Weich, fruchtbetont (Meunier-Spezialist), aber extrem langlebig.
- Besonderheit: Sie geben den Weinen extrem viel Zeit. Hefelager von 5 bis 10 Jahren sind keine Seltenheit. Nutzung natürlicher Hefen („Boulangerie-Hefe“).
Petit & Bajan (Verzenay/Avize)
Das „Traumpaar“. Richard (Pinot-Experte aus Verzenay) und Véronique (Chardonnay-Expertin aus Avize) haben sich zusammengetan. Alles ist Handarbeit, jede Flasche nummeriert. Sie verbinden florale Finesse mit dunkler Pinot-Power.
Er (Richard Petit) kommt aus Verzenay, dem Reich des Pinot Noir. Sie (Véronique Bajan) kommt aus Avize, dem Reich des Chardonnay. Ihre Hochzeit vereinte zwei absolute Grand-Cru-Lagen.
- Stil: Die perfekte Balance aus Kraft (Pinot) und Eleganz (Chardonnay).
- Besonderheit: Winzige Produktion, alles Handarbeit. Ihre Weine wirken oft wie geschliffene Diamanten.
Stéphane Regnault (Côte des Blancs)
Der „Jazz-Musiker“. Stéphane ist Saxophonist und Winzer. Er denkt in Skalen und Modi. Seine Weine sind biodynamisch, spontanvergoren und oft wild. Er sucht nicht die Harmonie, sondern die Spannung. Champagne für Fortgeschrittene.
Als er das Weingut übernahm, übertrug er die Musik auf den Wein. Seine Parzellen behandelt er wie unterschiedliche Instrumente.
- Stil: Vibrierend, spannungsgeladen, kreidig.
- Besonderheit: Er arbeitet biodynamisch und benennt seine Weine nach musikalischen Modi (Lydien, Mixolydien). Ein moderner „Freak“ im besten Sinne.
Legras & Haas (Chouilly)
Die „Chardonnay-Familie“. Vater François und seine Söhne stehen für den klassischen, sauberen Stil von Chouilly. Keine Experimente, sondern perfekte Handwerkskunst. Ihre Weine sind die Definition von kristallklarem Chardonnay.
Drei Brüder (Jérôme, Olivier, Julien) führen das Erbe ihres Vaters fort. Chouilly ist bekannt für Chardonnay, der runder und cremiger ist als im strengen Le Mesnil.
- Stil: Kristallklar, präzise, Apfel-frisch.
- Besonderheit: Sie suchen nicht das Extreme, sondern die perfekte Harmonie. Ein Champagner, der jedem schmeckt, ohne banal zu sein.
Famille Dumont (Aube)
Die „Erd-Verbundenen“. Im Süden der Champagne (Aube) ticken die Uhren anders. Biodynamisch bewirtschaftet, auf Böden, die eher dem Chablis ähneln. Ihre Weine haben diese unverwechselbare erdige, fast steinige Note.
Die Aube liegt geographisch näher am Chablis als an Reims. Die Böden sind hier anders (Kimmeridge-Kalk). Die Familie Dumont arbeitet hier biodynamisch und bewirtschaftet ihre Weinberge wie einen Garten.
- Stil: Fruchtig, wild, kräutrig und stoffig.
- Besonderheit: Sie besitzen extrem alte Reben und keltern Weine mit viel Charakter und Ecken und Kanten.
Mein Fazit
15 Weine, 7 Winzer, 0 Ausfälle. Wer diese Liste „nach-trinken“ will: Tut es. Ladet Freunde ein, kocht was Geiles und gönnt euch diese Vielfalt. Das Leben ist zu kurz für schlechten Champagner.
Cheers! 🥂


